Blindschleiche

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Blindschleiche (Anguis fragilis)
Blindschleiche (Anguis fragilis)

Die Blindschleiche (Anguis fragilis) ist eine Echsenart innerhalb der Familie der Schleichen (Anguidae). In Mitteleuropa gehört sie zu den am häufigsten vorkommenden Reptilien. Aufgrund ihres beinlosen, langgestreckten Körpers wird sie nicht selten mit einer Schlange verwechselt. Dieses Missverständnis spiegelt sich sogar im wissenschaftlichen Gattungsnamen wider, den ihr Carl von Linné gegeben hat (Lat. anguis = „Schlange“; das Artepitheton fragilis bedeutet „zerbrechlich“). Ein anderer verbreiteter Irrglaube ist, dass die Blindschleiche blind sei. Der Trivialname wird auf das Althochdeutsche plintslîcho zurückgeführt, was nach allgemeiner Auffassung so viel wie „blendender/blinkender Schleicher“ bedeutet und sich auf das Glänzen der glatten Schuppenhaut sowie die typische Fortbewegung beziehen dürfte. Andere, heute nicht oder kaum mehr gebräuchliche Bezeichnungen lauten „Haselwurm“ und „Hartwurm“.

 

 

 

 

 

Systematik

Merkmale

Körperbau

Die Blindschleiche hat einen langgestreckten, im Querschnitt kreisrunden Körper ohne Extremitäten und erreicht eine Gesamtlänge von 45 bis maximal 54 cm. Die größten Exemplare finden sich dabei im Osten und Süden des Verbreitungsgebietes. Im Mittel sind die meisten zu beobachtenden Erwachsenen etwa zwischen 35 und 40 cm lang. Der recht kleine, hohe Kopf geht unvermittelt in den Rumpf über. Auch der in einer hornigen Spitze endende Schwanz ist nicht vom Rumpf abgesetzt und oft etwas länger als dieser. Dadurch, dass die Tiere ihren Schwanz an mehreren Sollbruchstellen leicht abwerfen können, haben allerdings nicht wenige vorgefundene Exemplare keinen vollständig erhaltenen Schwanz mehr. Anders als bei Echten Eidechsen wächst nach einer Autotomie der Schwanzabschnitt auch nicht nach; es bildet sich nur ein sehr kurzer, halbkugeliger Stumpf. In manchen Populationen hat mehr als die Hälfte der Erwachsenen keinen vollständigen Schwanz mehr. Für feldbiologische Körpermessungen wird daher die Kopf-Rumpf-Länge – von der Schnauzenspitze bis zur Kloake – bevorzugt. Die Kloake hat bei der Blindschleiche einen quergestellten Spalt.

 

Die Hautoberfläche besteht aus glatten, runden bis sechseckigen, sich dachziegelartig überlagernden Hornschuppen, die ober- und unterseits des Körpers etwa gleich geformt sind. Auch an der Bauchseite sind davon mehrere Längsreihen vorhanden und die Schuppen sind dort nur geringfügig kleiner als auf der Rückenseite. In der Rumpfmitte umfasst eine Querreihe 24 oder 26 Schuppen. Insgesamt weist der Rumpf 125 bis 150 Schuppenquerreihen und der Schwanz noch einmal 130 bis 160 Reihen auf. Unter den Schuppen befinden sich Knochenplättchen (Osteoderme), wodurch sich Blindschleichen viel steifer und plumper kriechend fortbewegen als Schlangen. Die Kopfbeschuppung ähnelt der von Eidechsen; die den Kopf nach hinten begrenzenden Pileus-Schilder sind relativ groß. Die Ohröffnungen sind allerdings meistens ganz unter den Schuppen verborgen. Die relativ kleinen Augen haben bewegliche, verschließbare Lider (bei Schlangen sind diese verwachsen) und runde Pupillen. Die eher kurze Zunge ist breit-zweilappig und läuft nicht in feine Spitzen aus. Zum Züngeln, also zur Aufnahme von Geruchsstoffen, müssen Blindschleichen das Maul etwas öffnen, da sie keine Oberlippenlücke wie die Schlangen haben. Die spitzen, teilweise recht lose sitzenden Zähnchen sind nach hinten gekrümmt; im Zwischenkiefer befinden sich davon 7 bis 9, im Oberkiefer 10 bis 12, im Unterkiefer 14 bis 16.

 

Die Extremitäten sind vollständig zurückgebildet; lediglich bei den Embryonen sind zunächst noch vordere Beinrudimente nachweisbar, die aber später verschwinden. Bei den erwachsenen Tieren weisen nur kleine Reste eines Schulter- und Beckengürtels an der Wirbelsäule auf die phylogenetische Abstammung von beintragenden Vorfahren hin.

 

 

 

Färbung und Zeichnung

Im „Jugendkleid“ haben Blindschleichen eine sehr kontrastreiche Farbgebung und Zeichnung. Auf der silberweißen oder goldgelben Oberseite verläuft vom Hinterkopf – dort verbreitert oder gegabelt – bis zur Schwanzspitze eine schwarze Linie („Aalstrich“; manchmal kann dieser auch unterbrochen sein oder ganz fehlen). Die Flanken sind ebenso wie die Bauchseite schwarz und damit scharf von der Oberseite abgesetzt. Mit zunehmendem Alter kann sich das Schwarz in graue, blaue oder bräunliche Töne aufhellen. Die Iris ist bei den Jungtieren dunkelbraun.

 

Die Körper der erwachsenen Tiere haben eine variable Grundfärbung aus oberseits Braun-, Grau-, Gelb-, Bronze- oder Kupfertönen. Diese Grundfärbung ist durchsetzt mit mehr oder weniger deutlichen dunklen Punkten und Linien oder auch zeichnungslos. Manchmal weisen sie zudem den dorsalen Aalstrich der Juvenilphase auf, wobei sich dieser nun verbreitert hat. An den Seiten finden sich oft vier bis sechs dunkle Längsstreifen, die wiederum miteinander verschmelzen können, und die eine farbliche Trennung zwischen der Rückenseite und den Flanken bewirken. Die Bauchseite ist bleigrau bis schwarz. Aufgrund vielfältiger Punkt- und Linienzeichnungsmuster wurden diverse Varietäten der Blindschleiche beschrieben und benannt; diese haben aber taxonomisch keine Bedeutung. Eine Besonderheit ist das Auftreten blau getüpfelter Individuen; fast immer sind dies ältere männliche Tiere. Auch Melanismus und andere Farbanomalien kommen bei der Art hin und wieder vor. Die Iris adulter Blindschleichen ist rötlichgelb.

 

 

 

Geschlechterunterschiede

Eine Unterscheidung von Männchen und Weibchen ist anhand mehrerer Merkmale möglich, aber nicht in allen Fällen eindeutig. Als primäres Geschlechtsmerkmal verfügen die Männchen über ausstülpbare Hemipenes. Auch ist ihr Kopf etwas breiter und hat größere Pileus-Schilder. Unter den längsten und schwersten Blindschleichen finden sich dagegen überwiegend weibliche Tiere. Bei trächtigen Weibchen zeichnet sich der verdickte Rumpf gegen den Schwanz ab. Hinsichtlich der Färbung fällt auf, dass Weibchen in vielen Fällen eher die Kennzeichen der Jugendfärbung behalten, also den Aalstrich auf der Rückenmitte, die scharfe Farbgrenze an den Flanken und die dunkle Unterseite. Bei den Männchen ist der Farbkontrast zwischen der Oberseite und der (weniger dunklen) Unterseite dagegen oft nicht so stark ausgeprägt; sie wirken dadurch gleichmäßiger gefärbt. Auch hat eine Mehrheit von ihnen keinen dorsalen Aalstrich mehr.

 

 

 

Video Blindschleiche

 

 

 

Verbreitung

Europäisches Verbreitungsgebiet
Europäisches Verbreitungsgebiet

Die Art hat ein westpaläarktisches Verbreitungsgebiet, das den größten Teil Europas und Bereiche von Vorderasien umfasst. Frühere Angaben über Vorkommen in Nordwestafrika werden inzwischen angezweifelt und sollen auf Verwechslungen mit anderen beinlosen Echsenarten beruhen. Es besteht beim Areal der Blindschleiche eine recht große Übereinstimmung mit der Vegetationszone sommergrüner Laub- und Mischwälder der gemäßigten Zone. Innerhalb Europas gibt es ausgedehnte Verbreitungslücken nur in Irland, dem Süden der Iberischen Halbinsel, auf den Mittelmeerinseln und im italienischen Apulien, in Nordskandinavien, im Nordosten des europäischen Teils von Russland und an der Nordseite des Schwarzen Meeres. Im Osten reicht das Areal bis über den Ural bis zum Tobol nach Südwestsibirien und zum Nordwestrand von Kasachstan. Entlang der Südküste des Schwarzen Meeres verläuft ein schmales Verbreitungsband durch die Türkei bis in den gesamten Kaukasus. Ein offenbar disjunktes kleines Teilareal befindet sich an der Südküste des Kaspischen Meeres im Nordiran.

 

Die Höhenverbreitung reicht vom Tiefland bis in die Hochgebirge oberhalb der Baumgrenze; so kommt die Art im Schweizer Kanton Graubünden bis in 2100 Meter Höhe vor, in den österreichischen Alpen bis maximal 2400 Meter.

 

In Deutschland kommt die Blindschleiche als häufigstes Reptil in fast allen Regionen vor; lediglich auf Fehmarn und den meisten Nordseeinseln (Ausnahmen: Sylt, Föhr, Amrum) fehlt sie, ebenso wie in küstennahen Marschgebieten. Ein Schwerpunkt der Verbreitung sind die bewaldeten Mittelgebirge. Auch in Österreich und in der Schweiz werden bis auf hochalpine Extremlagen alle Regionen von ihr besiedelt.

 

 

 

Systematik

Die Blindschleiche wird nach morphologischen Merkmalen traditionell in eine westliche und eine östliche „Rasse(Unterart) unterteilt – diese zoogeographische Aufspaltung ist durch die letzte Eiszeit begründet. Die westliche ist die Nominatform Anguis fragilis fragilis, die östliche wird als Anguis fragilis colchica bezeichnet. Die Grenze zwischen beiden verläuft in einer breiten, nicht immer eindeutig zu definierenden Übergangszone von Finnland über das Baltikum, den Karpatenbogen und die ungarische Tiefebene zum Dinarischen Gebirge. Blindschleichen aus dem deutschsprachigen Raum gehören somit ausschließlich zur Nominatform. Eine Eigenschaft der östlichen Unterart ist, dass blau getüpfelte Individuen wesentlich häufiger anzutreffen sind.

 

Die Blindschleichen des griechischen Peloponnes und der Ionischen Inseln, die früher als weitere Unterart behandelt wurden, werden mittlerweile als eigene Art, Anguis cephallonica angesehen. Insgesamt gilt die Systematik der Blindschleiche aber noch als unzureichend geklärt.

 

Eine neue molekularbiologische Untersuchung postuliert indes eine Aufteilung in vier eigenständige Arten: Neben Anguis fragilis sensu stricto (bisherige Nominatform), Anguis colchicaund Anguis cephallonica käme demnach als weitere Art Anguis graeca hinzu. Darüber hinaus wird für die Östliche Blindschleiche (Anguis colchica) eine weitergehende Unterscheidung von zwei Unterarten in der kaukasischen sowie in der kaspischen Region vorgeschlagen.

 

 

 

Lebensräume

Hinsichtlich der Lebensraumansprüche gilt die Blindschleiche als eurytop, sie nutzt also ohne besondere Spezialisierung eine Vielzahl unterschiedlicher Biotope. Am regelmäßigsten ist sie in lichten Laubwäldern und an deren Rändern, an Hecken, in teilentwässerten Hochmooren und an Moorrändern und an gebüschgesäumten Borstgrasrasen anzutreffen, ferner in Heidegebieten, auf Brachen, Wiesen, an Bahndämmen, Wegrändern, in Parks und naturnahen Gärten der Siedlungsränder; selbst dichte Nadelwälder mit nur kleinräumigen Sonnenflächen genügen ihr manchmal. Die Tiere bevorzugen deckungsreiche krautige Vegetation und eine gewisse Bodenfeuchte; im Hinblick auf die Umgebungstemperatur sind sie etwas weniger wärmebedürftig als viele andere Reptilien. Entsprechend ihrer breiten ökologischen Amplitude kann die Blindschleiche sowohl mit Arten feuchterer Gebiete (wie Waldeidechse und Kreuzotter) als auch mit solchen eher trockener Lebensräume (wie Schlingnatter und Zauneidechse) gemeinsam vorkommen.

 

Gerne nutzt sie geschützt gelegene trockene Sonnenplätze, beispielsweise auf Totholz, dunklem Humusboden und Torf oder auf alten Grasbulten, die sich in Nachbarschaft zu etwas feuchteren, aber auch leicht erwärmbaren, nicht zu schattigen Versteckplätzen (Erdlöcher, Hohlräume unter Baumwurzeln, liegendem Holz, Steinen, Plastikfolie oder Blech, Felsspalten, Moospolster, auch Laub- und Komposthaufen oder Brennholzstapel) befinden. An besonders günstigen Versteckplätzen finden sich oft mehrere Tiere gleichzeitig ein.

 

 

 

Lebensweise

Überwinterung

Den Winter verbringen Blindschleichen in Kältestarre bzw. Ruhe in den oben genannten, möglichst frostsicheren Verstecken. Häufig bohren sie sich auch selbst unterirdische Gänge von 15 bis zu 100 cm Länge und verschließen die Öffnung mit Moos oder Erde. Regelmäßig findet die Überwinterung gesellig statt, in Gruppen von 5 bis 30, ausnahmsweise auch über 100 Individuen. Dabei befinden sich die älteren offenbar in größerer Tiefe, während sich die etwas später dazustoßenden Jungtiere mehr in Eingangsnähe aufhalten. Sogar gemeinsame Winterquartiere mit Fressfeinden wie Schlangen sind beobachtet worden. In Mitteleuropa zieht sich die Mehrzahl der Blindschleichen im Laufe des Oktobers in die Unterschlüpfe zurück; heraus kommen sie meistens wieder ab März oder Anfang April (zumindest im Tiefland), wenn die Außenbedingungen dies zulassen.

 

 

 

Tagesaktivität, Nahrung und Fressfeinde

Die Art ist vor allem tagaktiv, zum einen in den Morgenstunden von 4 bis etwa 10 Uhr, zum anderen abends von 18 bis 21 Uhr. Bei feucht-milder Witterung, etwa vor Gewittern oder bei warmem Nieselregen, ist sie auch in der übrigen Tageszeit außerhalb der Verstecke anzutreffen. Möglicherweise werden sehr milde Sommernächte ebenfalls zur Nahrungssuche genutzt. Blindschleichen jagen in erster Linie Nacktschnecken, Regenwürmer und unbehaarte Raupen; ihr nach hinten gekrümmtes Gebiss hilft ihnen beim Festhalten dieser schlüpfrigen Beutetiere. Unter den Schnecken sind besonders Ackerschnecken von Bedeutung als Nahrung, aber auch kleinere Exemplare großer Wegschneckenarten werden gefressen. Zum erweiterten Beutespektrum gehören Asseln und Saftkugler, Heuschrecken, Käfer und deren Larven sowie Blattläuse, Zikaden und Ameisen, ferner kleinere Spinnen. Blindschleichen sind zwar nicht blind, haben aber eine eingeschränkte Sehleistung (unter anderem sind sie farbenblind). Für die Orientierung, auch bei der Jagd, spielen der Geruchs- und der Tastsinn eine wichtige Rolle. Die Beutetiere werden mit den Kiefern gepackt und allmählich im Ganzen verschluckt. Bei einem größeren Regenwurm kann dies bis zu einer halben Stunde dauern.

 

Die Blindschleiche hat ihrerseits viele Fressfeinde, darunter Schlangen (insbesondere die Schlingnatter), Säugetiere wie Fuchs, Dachs, Iltis, Hermelin, Igel, Wildschwein und Ratten sowie zahlreiche Vögel (Störche, Reiher, Greifvögel, Eulen, Rabenvögel, Würger). Den Jungtieren stellen zudem Drosseln, Stare, Spitzmäuse, große Laufkäfer, Erdkröten, Eidechsen und junge Schlangen nach. In Siedlungsnähe des Menschen sind vor allem Hauskatzen, Hunde und Hühner eine Gefahr für Blindschleichen.

 

In Bedrängnis und wenn sie ergriffen werden, winden sich die Tiere hin und her und scheiden dabei oft Harn und Kot ab. Zu Beißversuchen gegenüber dem Angreifer kommt es nur selten. Schließlich kann ein Schwanzstück abgeworfen werden, das dann noch minutenlang heftig zappelt und zuckt. Dies ist vor allem gegenüber Vögeln und Säugern eine effektive Ablenkungsmaßnahme.

 

Die Morgen- und Abendstunden werden auch zur Thermoregulation genutzt, indem die Blindschleiche ein Sonnenbad nimmt oder sich in der Abenddämmerung auf eine die Tageswärme abstrahlende Oberfläche legt – das sind oft auch Asphaltstraßen und andere Wege, auf denen die Tiere dann in großer Zahl überfahren werden. Wegen der versteckten Lebensweise ist das Wissen zum genauen Tagesablauf einer Blindschleiche noch recht lückenhaft. Dies gilt auch für den Raumbedarf, für Bestandsgrößen und -dichten und andere populationsökologische Fragen.

 

 

 

Fortpflanzung und Individualentwicklung

In Mitteleuropa liegt die Paarungszeit der Art meist zwischen Ende April und Juni. Die Männchen ringen in sogenannten Kommentkämpfen dann oft heftig um die Weibchen, obwohl diese in den meisten Populationen in der Überzahl sind. Die Kontrahenten versuchen sich gegenseitig zu Boden zu drücken, beißen sich und schlingen sich fest umeinander. Bei der Paarung wird das Weibchen in den Kopf oder die Nackenregion gebissen, während das Männchen seine Hemipenes in die Kloake des Weibchens einführt. Die Kopulation kann mehrere Stunden dauern. Mitunter paaren sich Weibchen später noch mit anderen Männchen. Die Tragzeit der Weibchen dauert 11 bis 14 Wochen; anschließend – zwischen Mitte Juli und Ende August, manchmal noch später – werfen sie meist zwischen acht und zwölf Junge (Extremwerte: 2 bis 28). Bei der Geburt befinden sich die 7 bis 10 cm langen Jungtiere in einer sehr dünnen, transparenten Eihülle, die sie sofort danach durchstoßen (Ovoviviparie). Sie wiegen zunächst weniger als ein Gramm und besitzen noch einen Dotterrest.

 

Vor ihrer ersten Überwinterung wachsen die Jungtiere kaum noch; erst im Jahr darauf legen sie an Länge und Gewicht deutlich zu. Bei einer Gesamtlänge von 12,5 bis 25 cm und einem Lebensalter von drei bis fünf Jahren werden junge Blindschleichen geschlechtsreif. Im Laufe des Wachstums finden jährlich drei bis vier Häutungen während der gesamten Aktivitätsperiode statt. Dabei wird die alte Hautoberschicht von vorne nach hinten zu Wulsten zusammengeschoben und abgestreift. Ein Häutungsvorgang kann ein bis mehr als zwei Wochen andauern.

 

In Gefangenschaft können die Tiere sehr alt werden; ein Alter von 46 Jahren ist belegt, auch 54 Jahre werden genannt. In der freien Landschaft ist es wegen vieler Fressfeinde und anthropogen verursachter Gefahren aber sehr unwahrscheinlich, dass Blindschleichen so alt werden.

 

 

 

Gefährdung und Schutz

Die Blindschleiche gilt als Kulturfolger und hat lange von Landschaftsveränderungen durch Menschen profitiert, da viele strukturreiche, halboffene Biotope entstanden. In der modernen Zivilisationslandschaft erleidet die Art aber hohe Verluste durch intensive Land- und Forstwirtschaft, Flurbereinigung, Flächenentwässerung, Straßenverkehr, Siedlungs- und Straßenbau, Rekultivierungsmaßnahmen in Abbaugruben, die Mahd (Mahd = Mähen) von Gras-Stauden-Randstreifen und Wiesen (besonders mit Kreiselmähern), die Beseitigung von Versteckplätzen, das „Aufräumen“ von „unordentlichen“ Böschungen und Ruderalfluren und vieles mehr. In Siedlungsnähe stellt die Anwendung von Pestiziden wie Schneckenkorn eine Vergiftungsgefahr für Blindschleichen dar.

 

Aus Unkenntnis und Abneigung gegenüber der vermeintlichen Schlange wird die völlig harmlose Blindschleiche auch heute noch in großer Zahl erschlagen oder zertreten, wenn man ihr begegnet. Dies kann lokal durchaus bestandsbedrohende Ausmaße annehmen. Von Hauskatzen werden Blindschleichen und andere Kleinreptilien gejagt und dabei zumindest verletzt. Durch ihr Verhalten, sich auf Wege zu legen, um Wärme zu tanken, fallen sehr viele Blindschleichen dem Fahrzeugverkehr zum Opfer. Sogar von Radfahrern werden sie oft nicht rechtzeitig erkannt und überfahren.

 

Trotz dieser Verluste ist die Art in Mitteleuropa noch häufig und gilt im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) als ungefährdet. Sie steht aber dennoch unter Natur- und Artenschutz und darf nicht gefangen oder verletzt werden. Insbesondere ist zu vermeiden, Blindschleichen an ihrem hinteren Körperabschnitt festzuhalten. Dies kann sonst das Abwerfen des Schwanzes auslösen, wodurch das Tier zwar nicht stirbt, aber zeitlebens verstümmelt bleibt.

 

 

 

Gesetzlicher Schutzstatus

FFH-Richtlinie

(nicht aufgeführt)

 

 

Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG)

besonders geschützt

 

 

Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV)

Anlage 1 (besonders geschützt)

 

 

 

Nationale Rote Liste-Einstufungen

Rote Liste Bundesrepublik Deutschland

n (nicht gefährdet, nicht geführt)

 

 

Rote Liste Österreichs

NT (Gefährdung droht; Vorwarnliste)

 

 

Rote Liste Schweiz

LC (nicht gefährdet; allerdings Rückgang des Bestands im Mittelland und den Tieflagen der Täler)

 

 

 

Bildergalerie

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Literatur (Wikipedia-Empfehlungen)

Die Blindschleiche – die vergessene Echse

Name: Die Blindschleiche – die vergessene Echse

 

Autor: Wolfgang Völkl, Dirk Alfermann

 

Broschiert: keine Angabe

 

Verlag: Laurenti; Auflage: 1 (30. März 2007)

 

Sprache: Deutsch

 

ISBN-10: 3933066336 / ISBN-13: 978-3933066336

 

Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 14,6 x 0,8 cm

 

Preis neu: ab EUR 21,50

 

Preis gebraucht: Artikel nicht vorhanden

 

Kurzbeschreibung: Die Blindschleiche ist die wahrscheinlich häufigste Reptilienart in Deutschland - und gleichzeitig die unbekannteste. Durch ihre heimliche, oft im Verborgenen stattfindende Lebensweise entzieht sie sich meist unseren Blicken, obwohl sie sogar regelmäßig in Gärten anzutreffen ist. So verwundert es nicht, dass die Blindschleiche weit weniger als andere heimische Reptilienarten zum Thema wissenschaftlicher Untersuchungen wurde. Während die Morphologie relativ gut untersucht ist, gibt es bereits bei der systematischen Gliederung viele offene Fragen. Die gängige Unterartabgrenzung beruht auf wenigen morphologischen Kriterien, während moderne molekularbiologische Untersuchungen noch fehlen. Gleiches gilt für die Raumnutzung und die Populationsbiologie. Auch hier ist unser Kenntnisstand nur gering, obwohl sich gerade die Blindschleiche für Experimente in großen Freilandterrarien eignen würde. Die vorliegende Zusammenfassung über die Lebensweise der Blindschleiche soll daher auch zu weiteren Arbeiten anregen. Die Schwerpunkte dieses Buches beinhalten die Lebensraumansprüche, die Habitatnutzung, die Reproduktionsbiologie und den Schutz der Blindschleiche. Obwohl die Art bisher als nicht gefährdet gilt, hat sie aber unter den Veränderungen in unserer Landschaft in den letzten Jahrzehnten erkennbar gelitten, auch wenn belegbare Zahlen fehlen. Wir halten es daher für dringend geboten, die Blindschleiche viel mehr als bisher im Naturschutz zu berücksichtigen. Zudem ist es für keine andere Reptilienart einfacher, auch im eigenen Garten etwas für die "vergessene Echse" zu tun.

 

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Blindschleiche und Scheltopusik

Name: Blindschleiche und Scheltopusik

 

Autor: Hans-Günter Petzold

 

Gebundene Ausgabe: 102 Seiten

 

Verlag: Westarp Wissenschaften; Auflage: 3, unveränderte Auflage, Nachdruck der 1. Auflage von 1971. (September 2004)

 

Sprache: Deutsch

 

ISBN-10: 3894324732 / ISBN-13: 978-3894324735

 

Größe und/oder Gewicht: 19,8 x 14,4 x 0,8 cm

 

Preis neu: ab EUR 19,95

 

Preis gebraucht: ab EUR 17,50

 

 

 

Kurzbeschreibung: Aus der Echsenfamilie der Schleichen lebt in Deutschland nur ein Vertreter: die oft verkannte und von Unkundigen als"Schlange" verfolgte Blindschleiche, die aber nicht nur ein völlig harmloses, sondern als Schädlingsvertilgerin sogar sehr nützliches Glied unserer Fauna ist. Sie steht unter Naturschutz. Die Blindschleiche ist eine fußlose Eidechse, ebenso wie der erheblich größere, in Südosteuropa und Westasien beheimatete, gleichfalls nützliche Scheltopusik (Panzerschleiche), ein "Naturdenkmal der Krim". Diese beiden bekanntesten Vertreter repräsentieren aber nur zwei Endglieder der Entwicklung innerhalb der Schleichenfamilie. Die Mehrzahl ihrer vor allem in Süd-, Mittel- und Nordamerika vorkommenden Arten hat vier wohlausgebildete Beine. Der vorliegende Band behandelt die Stammesgeschichte und die in Anpassung an die verschiedensten Umweltbedingungen erworbenen körperlichen Besonderheiten der Schleichen sowie die Systematik und Zoogeographie dieser Eidechsenfamilie. Besorders ausfüh rlich wird auf Körperbau, Verbreitung, Lebensweise, Verhalten, Ernährung, Fortpflanzung und Schutzwürdigkeit der beiden europäischen Arten sowie auf ihre Haltung im Terrarium eingegangen.

 

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Quellenangabe Blindschleiche. Zum Vergrößern bitte Strg. drücken und gleichzeitig das mittlere Mausrad nach oben bzw. nach unten drehen

Quelle Text Blindschleiche: Wikipedia Deutschland. Originaltext: siehe hier.  

  

Quelle Foto Blindschleiche (Anguis fragilis): Wikipedia Deutschland. Originalfoto:  siehe hierBeschreibung Deutsch: Keine Angabe. Originalbeschreibung: Anguis fragilis slowworm. Ort: Poland. Datum: Keine Angabe. Kamera Model: Olympus C-765. Urheber: pl:user:Marek_bydgLizenzen: CC-BY-SA-3.0-migrated | License migration completed | GFDL.  

 

Quelle Foto Europäisches Verbreitungsgebiet: Wikipedia Deutschland. Originalfoto:  siehe hierBeschreibung Deutsch: Keine Angabe. Beschreibung Englisch: Anguis fragilis range map. Beschreibung Español: Mapa de distribución del lución (Anguis fragilis). Ort: Keine Angabe. Datum: 2010. Kamera Model: Keine Angabe. Urheber: OsadoLizenzen: PD-self.  

 

Quelle Foto Blindschleichen haben einen schlangenartig gestreckten Körper, sind aber ...: Wikipedia Deutschland. Originalfoto:  siehe hierBeschreibung Deutsch: Keine Angabe. Ort: Polen. Datum: 01.07.2007. Kamera Model: Keine Angabe. Urheber: JozefLizenzen: License migration redundant | GFDL | CC-BY-SA-3.0-migrated | CC-BY-SA-2.5,2.0,1.0 | Self-published work.   

 

Quelle Foto Blindschleichen legen sich gerne auf Fahrbahnoberflächen, um ...: Wikipedia Deutschland. Originalfoto:  siehe hierBeschreibung Deutsch: Keine Angabe. Originalbeschreibung: Anguis_fragilis = Веретеница Ломкая. Ort: Keine Angabe. Datum: 05.05.2008. Kamera Model: Canon PowerShot A400. Urheber: balticfox. Lizenzen: CC-BY-SA-3.0-migrated | License migration completed | GFDL

 

Quelle Foto Die glatten, glänzenden Schuppen sind typisch: Wikipedia Deutschland. Originalfoto:  siehe hierBeschreibung Deutsch: Blindschleiche (Anguis fragilis). Ort: Keine Angabe. Datum: Keine Angabe. Kamera Model: Keine Angabe. Urheber: Walter J. PilsakLizenzen: CC-BY-SA-3.0-migrated | License migration completed | GFDL

 

Quelle Foto Die Männchen haben einen etwas breiteren Kopf und sind oft ...: Wikipedia Deutschland. Originalfoto:  siehe hierBeschreibung Deutsch: Keine Angabe. Beschreibung Englisch: A male slow worm Anguis fragilis sunbathing in early spring. (Males have greyish color often and the head is more sturdy then the female head).Taken on small strip of heathland near Arnhem, the Netherlands. Preferred habitat in the Netherlands is mixture of heathland and woods, well exposed to the sun. Ort: Niederlande. Datum: 31.03.2008. Kamera Model: KONICA DiMAGE Z3. Urheber: ViridiflavusLizenzen: License migration redundant | GFDL | CC-BY-3.0 | Self-published work

 

Quelle Foto Dieses (weibliche) Exemplar hat keinen vollständigen Schwanz mehr: Wikipedia Deutschland. Originalfoto:  siehe hierBeschreibung Deutsch: Keine Angabe. Beschreibung Englisch: Anguis fragilis from Commanster, Belgian High Ardennes (50°15'20``N,5°59'58``E). Ort: Ardennen, Belgien. Datum: 10.10.2003. Kamera Model: NIKON D100. Urheber: James Lindsey at 

Ecology of CommansterLizenzen: CC-BY-SA-2.5 | CC-BY-SA-3.0 | Self-published work | Pictures by James Lindsey | Items with OTRS permission confirmed

 

Quelle Foto Dieses Weibchen zeigt mit dem mittigen schwarzen "Aalstrich" und der ...: Wikipedia Deutschland. Originalfoto:  siehe hierBeschreibung Deutsch: Anguis fragilis, Blindschleiche. Ort: Keine Angabe. Datum: 28.08.2008. Kamera Model: Canon EOS 400D DIGITAL. Urheber: Hedwig StorchLizenzen: CC-BY-SA-3.0 | Self-published work

 

Quelle Foto Kopfpartie einer Blindschleiche; die Augen haben runde Pupillen und bewegliche Lider: Wikipedia Deutschland. Originalfoto:  siehe hierBeschreibung Deutsch: Keine Angabe. Beschreibung Englisch: Slowworm, photo taken in Sweden. Ort: Schweden. Datum: 21.07.2005. Kamera Model: Canon PowerShot G3. Urheber: Jonas BergstenLizenzen: PD-user

 

Quelle Foto Nackenbeißende Blindschleichen: Wikipedia Deutschland. Originalfoto:  PD-user. 

 

Quelle Foto Totes Jungtier (8 cm lang), dem allerdings der Aalstrich fehlt: Wikipedia Deutschland. Originalfoto:  siehe hierBeschreibung Deutsch: Die Blindschleiche (Anguis fragilis) ist eine Echsenart innerhalb der Familie der Schleichen (Anguidae). Zu sehen: Ein Jungtier 8cm. Beschreibung Englisch: Anguis fragilis (the slow worm, slow-worm, slowworm, blindworm or blind worm) is a limbless reptile native to Eurasia. Size: 8cm. Ort: Keine Angabe. Datum: 17.05.2007. Kamera Model: Canon EOS 400D DIGITAL. Urheber: Richard Bartz, Munich Makro FreakLizenzen: CC-BY-SA-2.5 | Photographs by User:Richard Bartz

 

Quelle Foto Zum Züngeln müssen Blindschleichen das Maul etwas öffnen: Wikipedia Deutschland. Originalfoto:  siehe hierBeschreibung Deutsch: Blindschleiche. Ort: Keine Angabe. Datum: 01.09.2006. Kamera Model: Canon EOS 30D. Urheber: WaugsbergLizenzen: License migration redundant | GFDL | CC-BY-SA-3.0-migrated | CC-BY-SA-2.5,2.0,1.0 | Self-published work

 

Quelle Video Blindschleiche: YouTube. Originalvideo: siehe hierOriginalname: Junge Blindschleiche (Anguis fragilis). Beschreibung Deutsch: Eine einjährige Blindschleiche. Ort: Keine Angabe. Datum: 09.08.2009. Spieldauer: 5:56 Minuten. Kamera Model: Keine Angabe. Kategorie: Tiere. Tags: Reptilien, Blindschleiche, Anguis fragilis. Urheber: tardigrada78Lizenzen: Standard-YouTube-Lizenz.

 

Quelle Audio Artikel 'Blindschleiche' anhören: Wikipedia Deutschland. Originale Audio-Datei: siehe hierBeschreibung Deutsch: Das ist die gesprochene Version des Artikels Blindschleiche. Spieldauer: 24:00 Minuten. Sprecher: AnhezuVersion: 2010-09-30. Dialekt: Deutsch (Hochdeutsch). Geschlecht: männlich. Datum: 25.10.2010. Urheber: AnhezuLizenzen: CC-BY-SA-3.0 | License migration redundant | GFDL | Self-published work.

 

 


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